Schlagwort: klimawandel

Die zweite Hitzewelle des Jahres ist kein Ausreisser – sie zeigt, wie sich das Klima der Schweiz verändert

Kaum ist die erste Hitzewelle dieses Sommers vorbei, steckt die Schweiz bereits in der nächsten. Temperaturen deutlich über 30 Grad, tropische Nächte und ausgetrocknete Böden prägen mittlerweile den Sommer. Was früher als aussergewöhnliches Wetter galt, entwickelt sich zunehmend zur neuen Normalität.

Wer heute noch von einzelnen Hitzesommern spricht, übersieht die eigentliche Entwicklung: Das Klima der Schweiz verändert sich rasant. Die wissenschaftlichen Daten sind eindeutig – und die Folgen treffen längst nicht mehr nur ferne Regionen, sondern unsere Gesundheit, unsere Wirtschaft, unsere Infrastruktur und unseren Alltag.

Die Schweiz erwärmt sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt

Die Erde hat sich seit Beginn der Industrialisierung um rund 1,3 °C erwärmt. Die Schweiz hingegen bereits um rund 2,9 °C. Damit gehört unser Land zu den Regionen Europas, die sich besonders stark erwärmen.

Die Grafik zeigt die mittlere Jahrestemperatur der Schweiz seit Messbeginn. Besonders eindrücklich ist, wie sich die Erwärmung seit den 1980er-Jahren massiv beschleunigt. Quelle: MeteoSchweiz

Der Grund liegt unter anderem darin, dass sich Landflächen schneller erwärmen als Ozeane und Gebirgsregionen besonders sensibel auf den Klimawandel reagieren. Die Alpen verändern sich sichtbar: Gletscher schmelzen in Rekordtempo, der Permafrost taut auf und die Schneesaison verkürzt sich kontinuierlich.

Mit steigenden Durchschnittstemperaturen nehmen vor allem die Extremereignisse zu. Genau dies beschreibt der Weltklimarat IPCC seit Jahren: Nicht nur wird es wärmer – Hitzewellen, Starkniederschläge, Dürren und andere Wetterextreme treten häufiger und intensiver auf.

Mit jedem zusätzlichen Grad Erwärmung nehmen Häufigkeit und Intensität extremer Hitze stark zu. Quelle: IPCC

Die zweite Hitzewelle dieses Sommers ist deshalb kein Zufall, sondern Ausdruck dieser langfristigen Entwicklung.

Hitze kostet Menschenleben

Hitze ist längst die tödlichste Naturgefahr Europas. Bereits im Hitzesommer 2003 starben in der Schweiz nahezu 1’000 Menschen vorzeitig an den Folgen der extremen Temperaturen. Auch in den Hitzesommern 2015, 2018 und den vergangenen Jahren wurden jeweils mehrere hundert hitzebedingte Todesfälle registriert.

Besonders betroffen sind ältere Menschen, Personen mit Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen sowie Menschen, die im Freien arbeiten. Gleichzeitig steigen Risiken wie Dehydrierung, Nierenprobleme, Herzinfarkte oder Hitzeschläge deutlich an.

Die Schweiz hat zwar mit Hitzeaktionsplänen und besserer Information Fortschritte gemacht. Doch je häufiger und länger Hitzewellen auftreten, desto schwieriger wird es, diese gesundheitlichen Folgen vollständig zu verhindern.

Die wirtschaftlichen Kosten steigen rasant

Oft wird über die Kosten des Klimaschutzes diskutiert. Deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten dagegen die Kosten des Nicht-Handelns.

Kosten von Naturkatastrophen anhand von Daten von SwissRe. Quelle: globalventuring.com

Dabei entstehen diese bereits heute. Bei hohen Temperaturen sinkt die Produktivität am Arbeitsplatz messbar. Konzentration und Leistungsfähigkeit nehmen ab, körperlich anstrengende Arbeiten werden gefährlicher und Arbeitsunfälle häufen sich.

Schätzungen gehen davon aus, dass allein die hitzebedingten Produktivitätsverluste die Schweizer Volkswirtschaft bereits heute jedes Jahr mehrere hundert Millionen Franken kosten. Mit häufigeren Hitzetagen dürften sich diese Schäden in den kommenden Jahrzehnten vervielfachen. Hinzu kommen steigende Energiekosten für Kühlung, Belastungen des Gesundheitswesens sowie Ernteausfälle in der Landwirtschaft.

Unsere Infrastruktur ist nicht für das neue Klima gebaut

Viele Schweizer Gebäude wurden für kalte Winter optimiert – nicht für immer heissere Sommer. Wohnungen verwandeln sich zunehmend in Hitzefallen. Schulen, Altersheime und Spitäler geraten an ihre Grenzen. Gleichzeitig leiden Strassen unter Verformungen durch hohe Temperaturen, Bahngleise müssen häufiger überwacht und gekühlt werden und die Stromproduktion wird durch warme Flüsse oder Wasserknappheit beeinträchtigt.

Auch Naturgefahren nehmen zu. Mit dem Rückzug der Gletscher und dem Auftauen des Permafrosts steigt das Risiko von Felsstürzen und Murgängen. Gleichzeitig führen längere Trockenperioden dazu, dass ausgetrocknete Böden Starkregen schlechter aufnehmen können – Überschwemmungen und Sturzfluten werden dadurch wahrscheinlicher.

Anteil von Naturgefahren betroffener Wohngebäude nach Kanton. Quelle: Zürcher Kantonalbank

Die Ereignisse der vergangenen Jahre – von verheerenden Unwettern bis zum Bergsturz von Blatten – zeigen eindrücklich, dass diese Risiken längst Realität sind.

Karten von Trends der Starkniederschläge in der Schweiz für die Periode 1901-2023 an knapp 200 Messstationen von MeteoSchweiz. Links: Änderung der Intensität (stärkster Tagesniederschlag pro Jahr), rechts:
Änderung der Häufigkeit (Anzahl Tagesniederschläge über dem 99. Perzentil 1991-2020). Zunehmende Trends sind in grün, abnehmende in braun dargestellt.
Besonders deutliche Trends sind als gefüllte Kreise dargestellt. Trends in Prozent pro 10 Jahre, Angaben in rot: Mittlere Änderungen über die gesamte Periode. Quelle: MeteoSchweiz

Landwirtschaft zwischen Trockenheit und Extremwetter

Auch die Landwirtschaft steht vor gewaltigen Herausforderungen. Längere Trockenperioden erhöhen den Bewässerungsbedarf, gleichzeitig nehmen Starkniederschläge zu und können ganze Ernten zerstören. Neue Pflanzen- und Rebsorten helfen zwar teilweise bei der Anpassung, können die Auswirkungen extremer Hitze aber nicht vollständig kompensieren.

Auch die Tierhaltung benötigt zunehmend Investitionen in Beschattung, Kühlung und ausreichende Wasserversorgung. Damit geht es nicht nur um wirtschaftliche Schäden, sondern letztlich auch um die Ernährungssicherheit.

Die Wissenschaft wird immer deutlicher

Während frühere Studien davon ausgingen, dass wohlhabende Länder wie die Schweiz vergleichsweise glimpflich davonkommen würden, zeichnet die aktuelle Forschung ein anderes Bild.

Neue ökonomische Modelle berücksichtigen heute besser die Folgen extremer Wetterereignisse sowie die weltweiten wirtschaftlichen Verflechtungen.

Aktuelle Arbeiten kommen deshalb zu deutlich höheren Schadensschätzungen als noch vor wenigen Jahren. Je nach Szenario könnte eine weitere Erwärmung langfristig einen zweistelligen Prozentanteil der globalen Wirtschaftsleistung kosten – auch Industrieländer wären erheblich betroffen.

Die zentrale Erkenntnis lautet: Die wirtschaftlichen Risiken des Klimawandels wurden wahrscheinlich über Jahrzehnte unterschätzt.

Klimaschutz und Klimaanpassung gehören zusammen

Selbst wenn die weltweiten Emissionen rasch sinken, werden weitere Temperaturanstiege in den kommenden Jahrzehnten nicht vollständig vermeidbar sein.

Deshalb braucht es zwei Strategien gleichzeitig. Erstens müssen die Treibhausgasemissionen konsequent reduziert werden, damit sich die Erwärmung möglichst begrenzen lässt. Und zweitens spart jeder Franken, der heute in Klimaschutz und Klimaanpassung investiert wird, morgen ein Vielfaches an Reparatur-, Gesundheits- und Schadenskosten. Der neue Planungsbericht Klima und Energie des Kantons Luzern erkennt dies und schlägt genau diese beiden Schienen vor. Allerdings ist deren Unsetzung vom parlamentarischen Willen abhängig, hier entsprechend finanzielle und vor allem Personalressourcen zu sprechen.

Die eigentliche Frage lautet nicht mehr, ob der Klimawandel teuer wird

Die zweite Hitzewelle dieses Sommers führt uns eindrücklich vor Augen, dass der Klimawandel längst in der Schweiz angekommen ist.

Zweitens müssen wir unsere Städte, Gebäude und Infrastrukturen an das bereits veränderte Klima anpassen. Mehr Bäume und Grünflächen, entsiegelte Plätze, hitzeresistente Gebäude, ausreichender Hochwasserschutz sowie eine vorausschauende Raumplanung sind keine Luxusprojekte. Sie sind Investitionen, die zukünftige Schäden vermeiden.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht mehr, ob uns der Klimawandel Milliarden kostet. Sondern ob wir dieses Geld vorausschauend in Lösungen investieren – oder später ein Vielfaches für die Folgen bezahlen. Die Wissenschaft lässt daran kaum Zweifel: Nichthandeln ist die teuerste Option.

Quellen

Planungsbericht Klima und Energie 2026: Gute Grundlage – jetzt braucht es Verbindlichkeit

Mit dem aktualisierten Planungsbericht Klima und Energie 2026 legt der Regierungsrat die strategische Ausrichtung der Luzerner Klima- und Energiepolitik für die Jahre 2027 bis 2031 vor. Der Bericht zeigt auf, wie der Kanton seine Klimaziele erreichen, die Energieversorgung weiterentwickeln und sich besser an die bereits spürbaren Folgen des Klimawandels anpassen will. Gegenüber dem Planungsbericht 2022–2026 wurden verschiedene Bereiche weiterentwickelt und aktualisiert. Das ist grundsätzlich zu begrüssen. Entscheidend wird nun aber sein, dass den richtigen Worten auch konkrete Taten folgen.

Wichtige Veränderungen des Schweizer Klimas basierend auf Beobachtungsdaten. Quelle: BAFU/MeteoSchweiz (2020), aufdatiert und angepasst

Die Vernehmlassung hat Wirkung gezeigt

Die SP Kanton Luzern hat den Planungsbericht in der Vernehmlassung grundsätzlich unterstützt, gleichzeitig aber zahlreiche Verbesserungen vorgeschlagen. Erfreulich ist, dass der Regierungsrat verschiedene Anliegen aufgenommen hat.

So berücksichtigt der definitive Bericht die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und aktualisierten Klimaszenarien für die Schweiz deutlich stärker als der Entwurf. Er beschreibt klar, dass sich die Schweiz überdurchschnittlich stark erwärmt und Extremereignisse wie Hitzewellen, Trockenperioden und Starkniederschläge häufiger und intensiver werden. Auch die Bedeutung der Klimaanpassung wurde im Bericht gestärkt. Damit trägt der Regierungsrat den Entwicklungen Rechnung, welche der Weltklimarat (IPCC) in seinem sechsten Sachstandsbericht eindrücklich aufgezeigt hat.

Positiv ist ebenfalls, dass der Bericht den Handlungsbedarf in den Bereichen Verkehr und Landwirtschaft deutlicher benennt. Beide Sektoren gehören zu den grössten Emittenten im Kanton Luzern und liegen heute nicht auf Zielkurs. Dass diese Herausforderungen nun klarer benannt werden, schafft die notwendige Transparenz.

Auch die stärkere Verankerung von Klimafragen in kantonalen Planungs- und Entscheidungsprozessen sowie das neue Handlungsfeld «Prozesse und Finanzen» sind sinnvolle Ergänzungen. Sie zeigen, dass Klimapolitik zunehmend als Querschnittsaufgabe verstanden wird.

Gute Ziele allein reichen nicht

Trotz dieser Verbesserungen bleibt der Planungsbericht aus meiner Sicht in einem entscheidenden Punkt hinter seinen eigenen Ansprüchen zurück: Es fehlt weiterhin an ausreichender Verbindlichkeit.

Der Regierungsrat anerkennt zwar, dass insbesondere im Verkehr und in der Landwirtschaft zusätzliche Anstrengungen notwendig sind. Gleichzeitig verzichtet er jedoch auf verbindliche sektorale Zwischenziele und klar definierte Absenkpfade. Gerade weil einzelne Bereiche bereits heute hinter den Klimazielen zurückliegen, wären überprüfbare Etappenziele ein wichtiges Instrument, um rechtzeitig nachsteuern zu können.

Ebenso fehlt weiterhin ein Instrument, das den verbleibenden Emissionsspielraum transparent macht und die Zielerreichung über alle Sektoren hinweg nachvollziehbar steuert.

Finanzierung bleibt die Achillesferse

Noch grösser ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Umsetzung bei der Finanzierung.

Der Planungsbericht enthält zahlreiche sinnvolle Massnahmen – von der Förderung erneuerbarer Energien über die energetische Sanierung bis hin zur Anpassung an zunehmende Hitzebelastung. Gleichzeitig macht der Regierungsrat mehrfach deutlich, dass deren Umsetzung von den jeweils verfügbaren finanziellen und personellen Ressourcen abhängig ist.

Genau hier liegt das Problem. Der Kantonsrat hat im Rahmen der Budgetdebatte 2026 erhebliche Kürzungen beschlossen. Davon betroffen sind auch zusätzliche Personalstellen und Fördermittel im Klimabereich. Gerade diese Ressourcen wären jedoch notwendig, um die im Planungsbericht vorgesehenen Massnahmen überhaupt wirksam umzusetzen.

Ambitionierte Klimapolitik braucht deshalb nicht nur gute Strategien, sondern auch verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen und genügend Fachpersonal.

Klimapolitik muss sozial gerecht sein

Ein weiterer Punkt bleibt aus Sicht der SP unterbelichtet: die soziale Dimension der Klimapolitik.

Die ökologische Transformation wird nur dann breit getragen, wenn sie sozial gerecht ausgestaltet ist. Förderprogramme müssen so ausgestaltet werden, dass auch Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen von energetischen Sanierungen oder dem Umstieg auf erneuerbare Energien profitieren können. Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit gehören untrennbar zusammen.

Der nächste Schritt liegt beim Kantonsrat

Der Planungsbericht bildet eine solide Grundlage für die Luzerner Klima- und Energiepolitik der kommenden Jahre. Er zeigt deutlich, dass der Handlungsdruck weiter zunimmt und dass sowohl Klimaschutz als auch Klimaanpassung konsequent weiterentwickelt werden müssen.

Die Vernehmlassung hat gezeigt, dass konstruktive Rückmeldungen zu Verbesserungen führen können. Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen – insbesondere bei der Verbindlichkeit der Ziele und der Finanzierung ihrer Umsetzung. Der Kantonsrat wird nun die Gelegenheit haben, den Planungsbericht kritisch zu beraten und dafür zu sorgen, dass die ambitionierten Ziele nicht auf dem Papier stehen bleiben.

Denn eines ist klar: Der Klimawandel wartet nicht auf politische Budgetzyklen. Jede heute unterlassene Massnahme erhöht die Kosten und Risiken von morgen – für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermassen.

Schweizer Temperatur seit 1864. Jedes Jahr hat eine andere Farbe. In rot codierte Jahre sind wärmer, blaue kälter als der Durchschnitt der Jahre 1961-1990. Quelle: MeteoSchweiz

Vorsorge statt Verdrängung – Warum ich JA zum Klimafonds sage

Die Schweiz ist vom Klimawandel besonders stark betroffen. Als Binnenland mit sensiblen Alpenräumen, dicht besiedelten Tälern und einer vielfältigen Topographie erwärmt sich unser Land deutlich stärker als der globale Durchschnitt. Die Folgen sind längst sichtbar – schmelzende Gletscher, instabile Berghänge, zunehmende Extremniederschläge und Hitzeperioden.

Wichtige Veränderungen des Schweizer Klimas basierend auf Beobachtungsdaten. (BAFU/MeteoSchweiz (2020), aufdatiert und angepasst)

Ereignisse wie in Blatten oder Brienz sind keine isolierten Naturphänomene. Sie stehen in direktem Zusammenhang mit einer Entwicklung, die sich wissenschaftlich seit Jahren klar abzeichnet. Extremwetterereignisse nehmen zu – in Häufigkeit und Intensität. Sie setzen unsere Ökosysteme unter enormen Druck und stellen gleichzeitig unsere Infrastruktur vor immense Herausforderungen: Verkehrswege, Siedlungen, Energieversorgung und Landwirtschaft sind zunehmend exponiert.

Investieren, bevor es uns überrollt

Die Klimafonds-Initiative setzt genau hier an. Sie will die finanziellen Mittel bereitstellen, damit wir als Gesellschaft diesen Herausforderungen vorausschauend begegnen können.

Ja, das kostet Geld. Aber die Alternative – wegschauen, verharmlosen, nur das absolut Nötigste tun – kommt uns langfristig um ein Vielfaches teurer zu stehen. Jeder Franken, den wir heute in Prävention, Anpassung und Innovation investieren, spart uns morgen ein Mehrfaches an Schadensbehebung, Wiederaufbau, ökologischen und volkswirtschaftlichen Verlusten.

Vorsorge ist keine Ideologie. Sie ist solide Finanzpolitik.

Ein Infrastrukturprojekt für die Zukunft

Der Klimafonds ist im Kern ein Infrastrukturprojekt. Vergleichbar mit dem Bau von Staudämmen zur Sicherung unserer Energieversorgung oder dem gezielten Ausbau der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur, die ebenfalls durch langfristige, strategische Investitionen ermöglicht wurden.

Wir stärken präventiv unsere Resilienz gegenüber den massiven Auswirkungen des Klimawandels. Wir investieren in:

  • den Schutz unserer Naturräume, damit Wälder, Gewässer und Böden Extremereignisse besser abfedern können,
  • die Anpassung unserer Infrastruktur an neue klimatische Realitäten,
  • den massiven und nachhaltigen Ausbau der lokalen Energieproduktion,
  • die Reduktion unserer Abhängigkeit von fossilen Energieimporten.

Gerade als Hochtechnologieland sind wir prädestiniert, hier voranzugehen. Wir verfügen über das Know-how, die Innovationskraft und die Bildungsinstitutionen, um klimafreundliche Technologien weiterzuentwickeln und marktfähig zu machen. Der Klimafonds schafft die nötigen Rahmenbedingungen, damit aus Forschung konkrete Wertschöpfung wird.

Stärkung von Wirtschaft und Bildungsstandort

Klimapolitik ist keine Wachstumsbremse – sie ist eine Zukunftsinvestition. Wer heute in erneuerbare Energien, Speichertechnologien, Gebäudesanierungen, nachhaltige Mobilität und Kreislaufwirtschaft investiert, stärkt morgen den Wirtschaftsstandort Schweiz.

Gleichzeitig rüsten wir unser Bildungswesen für die Zukunft: Neue Berufsfelder entstehen, bestehende verändern sich. Der Klimafonds ermöglicht Planungssicherheit – für Unternehmen, Hochschulen, Berufsbildung und Kantone.

Verantwortung übernehmen

Die Fakten liegen auf dem Tisch. Die Entwicklungen sind real. Und die Kosten des Nichtstuns sind enorm.

Wir können entweder reagieren, wenn die Schäden bereits angerichtet sind – oder wir können vorausschauend handeln.

Für mich ist klar: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Darum stimme ich überzeugt JA zum Klimafonds.

Schweizer Temperatur seit 1864. Jedes Jahr hat eine andere Farbe. In rot codierte Jahre sind wärmer, blaue kälter als der Durchschnitt der Jahre 1961-1990. Quelle: MeteoSchweiz

JA zur Klimafonds-Initiative – jetzt handeln für Klima, Energie und Zukunft

Am 8. März 2026 stimmt die Schweiz über die Klimafonds-Initiative ab. Die Initiative will, dass der Bund jährlich 0,5 bis 1 % des Bruttoinlandprodukts in einen staatlichen Klimafonds steckt, um Klimaschutz, Energie­wende und Infrastruktur­modernisierung konsequent voranzutreiben. Mit diesen Mitteln sollen erneuerbare Energien, Gebäudesanierungen, Mobilität und Weiterbildung für Fachkräfte nachhaltig gefördert werden.

Der Klimawandel ist längst Realität, auch in der Schweiz: Gletscherschmelze, Hitzetage, extreme Wetterereignisse und steigende Kosten durch klimabedingte Schäden machen deutlich, dass Untätigkeit teuer und riskant ist. Die Klimafonds­Initiative ist ein generationenübergreifendes Projekt, das Risiken reduziert und gleichzeitig Arbeitsplätze, Innovation und Versorgungssicherheit stärkt. 

Warum ich dieses Projekt unterstütze

Als Mitglied des Kantonsrats setze ich mich dafür ein, dass Klimaschutz nicht nur Thema, sondern politischer Schwerpunkt wird. Auf allen Ebenen – lokal, kantonal und national – braucht es mutige Schritte:

  • Investitionen statt Symbolpolitik: Unser Planet hat keine Zeit für halbherzige Politik. Die Klimafonds-Initiative liefert konkrete Finanzmittel, um heute effektiv zu handeln.  
  • Unabhängigkeit statt fossiler Abhängigkeit: Mit der Förderung erneuerbarer Energien bauen wir Versorgungssicherheit auf und reduzieren unsere Abhängigkeit von fossilen Importen.  
  • Gerechter Übergang: Umschulungen und Qualifizierungen – auch ein Teil des Fonds – sorgen dafür, dass niemand auf der Strecke bleibt.  

Meine parlamentarische Arbeit im Kontext

In meiner Rolle als Kantonsrat treibe ich konkrete politische Lösungen voran: 

  • Photovoltaik stärken: Mit meinem Postulat zur Förderung von Investitionen in Photovoltaik auf kantonseigenen Gebäuden will ich das unerschlossene Solar-Potenzial im Kanton nutzen und erneuerbare Energie direkt vor Ort erzeugen.  
  • Langfristiges Monitoring: Ein weiteres Postulat über langfristiges Monitoring des Phosphatgehaltes rund um unsere Seen soll ökologische Risiken besser abbilden und frühzeitig Gegensteuer ermöglichen.  
  • Lichtverschmutzung bekämpfen: Mit meiner Motion zur Reduktion der Lichtverschmutzung setze ich mich für eine bessere Umwelt- und Biodiversitätspolitik im Kanton ein – ein Baustein gesunder Ökosysteme.  
  • Weitere Vorstösse wie effiziente Förderpolitik statt Mitnahmeeffekte bei Steuerabzügen stehen ebenfalls in meinem Portfolio.  

Diese Vorstösse zeigen: Klimaschutz ist für mich nicht nur ein abstraktes Ziel, sondern ein konkreter politischer Auftrag – sowohl auf kantonaler wie auf nationaler Ebene.

Gemeinsam Zukunft gestalten

Die Klimafonds-Initiative ist mehr als eine Abstimmungsvorlage: Sie ist ein Aufruf zum kollektiven Handeln, um Wohlstand, Lebensqualität und ökologische Verantwortung zu verbinden. Die Politik darf nicht länger warten, während Klimarisiken wachsen und Kosten explodieren.

Deshalb: Ja zur Klimafonds-Initiative – für eine starke, klimafreundliche und generationengerechte Schweiz!

Energetische Sanierungen stärken – aber richtig! Warum ich auf gezielte Förderung statt auf pauschale Steuerabzüge setze

In Luzern stehen wir vor einer grundlegenden politischen Frage: Wie fördern wir energetische Sanierungen im Gebäudepark am effektivsten und sozial gerecht? Die Abstimmung vom 28. September 2025 zum Systemwechsel in der Wohneigentumsbesteuerung inklusive Abschaffung des Eigenmietwerts hat das Thema auf die Agenda gesetzt. Dabei fallen aber wichtige steuerliche Abzüge für Energiespar- und Umweltschutz-Massnahmen weg – ein Problem, das politisch gelöst werden muss.

Zwei politische Vorschläge – zwei grundlegend verschiedene Ansätze

Mein Vorschlag (Postulat P 639)

Ich fordere: Sozial treffsichere, wirkungsorientierte Förderung statt Steuerabzüge.
Der Regierungsrat soll prüfen, wie die wegfallenden steuerlichen Anreize durch gezielte Förderinstrumente ersetzt werden können, die:

  • hohe klimapolitische Wirkung entfalten;
  • sozial gerecht sind und gerade Eigentümer:innen mit tieferem und mittlerem Einkommen erreichen;
  • Mitnahmeeffekte begrenzen, insbesondere bei ohnehin geplanten Investitionen;
  • und Mieter:innen schützen, indem Sanierungen nicht automatisch zu höheren Mieten führen.

Mein Ansatz erkennt an, dass steuerliche Abzüge zwar Anreize schaffen können – sie erwiesen sich aber sozial unausgewogen und wirkten oft zugunsten vermögenderer Haushalte. Eine direkte, zielgerichtete Förderung ist wirkungsvoller und gleichzeitig sozialer.

Vorstoss Karin Andrea Stadelmann (Postulat P 535)

Im Gegensatz dazu will Karin Andrea Stadelmann, dass der Kanton Steuerabzüge für energetische Sanierungen weiterhin ermöglicht, auch nach dem Systemwechsel. Das Postulat fordert den Regierungsrat auf, zu prüfen, wie das kantonale Steuerrecht entsprechend anzupassen sei. Die Argumentation zielt darauf ab, den bisherigen Anreiz-Effekt der Steuerabzüge beizubehalten, damit energetische Sanierungen nicht unattraktiver werden.

In seiner Stellungnahme zum Vorstoss von Karin Andrea Stadelmann erklärt der Regierungsrat das Postulat als erheblich und zeigt sich grundsätzlich bereit, eine Beibehaltung des steuerlichen Energiekostenabzugs im bisherigen Umfang zu prüfen. Gleichzeitig nennt er erhebliche Mindereinnahmen von 40–60 Mio. CHF, die bei Beibehaltung der Abzüge entstehen könnten, und verweist auf die finanzpolitische Handlungsfähigkeit des Kantons, diese abzufedern.
Ich halte diese Haltung für fiskalisch falsch und politisch gefährlich: Die Mitte hat letztes Jahr einer Sparrunde im Kantonsbudget zugestimmt und jetzt will sie gleichzeitig auf 40–60 Mio. CHF Steuereinnahmen verzichten – bei unklarer Wirkung für das Klima und ohne sozialpolitische Absicherung. Steuerliche Abzüge wirken sozial regressiv: Wohlhabende profitieren überdurchschnittlich, während Menschen mit tiefem oder mittlerem Einkommen nur gering oder gar nicht profitieren.
Steuerabzüge sind keine zielgerichtete Klimapolitik: Sie fördern häufig auch Investitionen, die ohnehin geplant wären. Ein Teil der Wirkung verpufft als Mitnahmeeffekt.

Warum gezielte Förderung besser ist

Gezielte Förderprogramme – wie wir sie in unserem Vorstoss fordern – sind:

  • Sozial gerechter: Fördermittel können gezielt auf Bedürftige oder besonders klimapolitisch wirksame Massnahmen gesetzt werden.
  • Effektiver: Fördermittel lassen sich an Energie- und CO₂-Ziele koppeln und schaffen klare steuerbare Anreize.
  • Kombinierbar: Sie können mit bestehenden kantonalen Förderprogrammen koordiniert werden.
  • Steuerliche Abzüge dagegen schaffen wenig Lenkungswirkung und verteilen Vorteile stark asymmetrisch nach Einkommen.

Wir stehen klar für gezielte, sozial gerechte und klimapolitisch wirksame Förderinstrumente statt pauschaler Steuerabzüge. Die Idee, die wegfallenden Abzüge einfach so weiterzuführen, halten wir aus sozial-, klima- und fiskalpolitischen Gründen für falsch. Gerade nach dem Sparkurs-Debakel im letzten Herbst ist es nicht schlau, jetzt freiwillig auf erhebliche Einnahmen zu verzichten – und das ohne überzeugenden Nachweis einer besseren Wirkung für den Klimaschutz.

Unsere Forderung bleibt: Effiziente Förderung statt steuerlicher Mitnahmeeffekte!

Mehr Solarstrom im Kanton Luzern – mein Vorstoss für eine zukunftsgerichtete Klimapolitik

Heute steht der Kanton Luzern vor einer zentralen Herausforderung und zugleich einer grossen Chance: Wie schaffen wir es, den Ausbau der Photovoltaik zu beschleunigen, dabei unsere Netze stabil zu halten und gleichzeitig die Menschen, die bereits in Solarenergie investiert haben, nicht allein zu lassen? Mit meinem Postulat „Einsatz von Mitteln des Klimafonds für die Umrüstung und den Ausbau bestehender PV-Anlagen“ habe ich genau dieses Ziel in den Fokus gerückt.

Ab dem 1. Januar 2026 tritt eine neue, bundesweite gesetzliche Regelung zur Solarstromeinspeisung in Kraft: Alle Solaranlagen dürfen künftig nur noch maximal 70 % ihrer Modul-Leistung ins Netz einspeisen. Diese Massnahme dient dazu, Spitzenlasten im Verteilnetz zu dämpfen, das Netz zu entlasten und Platz für zusätzliche Anlagen zu schaffen. Die Regelung ist Teil des neuen Stromgesetzes, das von der Schweizer Stimmbevölkerung getragen wurde und nun von Energieversorgern wie der CKW und weiteren Netzbetreibern umgesetzt wird. 

Für neu installierte Anlagen gilt die Regel bereits ab 2026, für bestehende Anlagen soll sie in den kommenden Jahren ausgeweitet werden. Das Ziel ist richtig und wichtig – um die Energiewende voranzutreiben und Netzengpässe zu vermeiden. Allerdings bringt die Abregelung für Betreiberinnen und Betreiber wirtschaftliche Einbussen von bis zu etwa 3 % der Jahresproduktion mit sich – und das ohne gesetzliche Entschädigungspflicht für Netzbetreiber. Deshalb braucht es nun eine klare und gerechte kantonale Antwort.

Was mein Postulat fordert

Mein Vorstoss an den Luzerner Regierungsrat setzt an genau dieser Stelle an:
Bestehende Produzenten sollen beim Übergang unterstützt werden – und zugleich der Ausbau der Solarstromproduktion verstärkt werden.

Konkret fordert mein Postulat:

  • Fördermittel aus dem kantonalen Klimafonds sollen zur Verfügung gestellt werden, um die technische Umrüstung bestehender PV-Anlagen auf die neue Einspeiseregelung zu erleichtern.
  • Entscheidend dabei: Die Förderung soll an zusätzliche Wirkungen gekoppelt werden, nämlich an einen Ausbau der bestehenden Anlage – z. B. um 3–5 % mehr Leistung,
    oder an die Installation lokaler Speichersysteme, die helfen, Netzspitzen zu reduzieren und den Eigenverbrauch zu erhöhen.
  • Damit soll die wirtschaftliche Belastung durch die Abregelung kompensiert, gleichzeitig aber zusätzlicher Nutzen für Netz und Klima geschaffen werden.
  • Der Regierungsrat soll im Rahmen des Postulats einen konkreten Antrag mit klaren Förderkriterien, einem Budgetbedarf, einem Zeitplan und einer einfachen administrativen Abwicklung vorlegen.

Warum dieses Modell funktioniert

Dieses Vorgehen schafft mehrwertorientierte Anreize statt pauschaler Subventionen. Es kombiniert:

  • Netzentlastung durch regelkonforme Umrüstung,
  • Mehr Solarleistung auf den Dächern,
  • lokale Speicherung zur besseren Nutzung vor Ort,
  • und wirtschaftliche Sicherheit für PV-Betreiberinnen und -Betreiber im Übergang zu den neuen Regeln.

Ein solcher struktureller Anreiz ist besonders wichtig, um Vertrauen in die Energie- und Klimapolitik zu stärken und Investitionen in erneuerbare Energien attraktiv zu halten. Der Vorschlag ist bewusst so formuliert, dass er nicht nur von der SP, sondern auch von bürgerlichen Parteien, insbesondere der Mitte, unterstützt werden kann. Denn er verbindet ökologische Ziele mit wirtschaftlicher Vernunft:

  • Er honoriert bestehende Investitionen,
  • vermeidet unnötige Belastungen für Anlagenbetreiber,
  • fördert zusätzlichen PV-Ausbau und Speicherlösungen,
  • und nutzt gezielt Mittel aus dem Klimafonds ohne neue Belastungen für den Kantonshaushalt.

Fazit: Für eine pragmatische Energiewende im Kanton Luzern

Mit meinem Vorstoss setzen wir ein starkes Signal für eine nachhaltige, gerechte und zukunftsgerichtete Energiepolitik im Kanton Luzern. Es geht nicht nur darum, dass Photovoltaik beiträgt, den Klimawandel zu bekämpfen. Es geht auch darum, bestehende Solarproduzenten nicht zu bestrafen, sondern auf dem Weg in eine erneuerbare Energiezukunft zu unterstützen.

Ich freue mich auf den Dialog mit der Bevölkerung, den Partnern der Energiebranche und den politischen Kolleginnen und Kollegen, um dieses Ziel gemeinsam umzusetzen.

Klimaneutralität muss gefördert werden und attraktiv sein – aber auch sozial gerecht

Ich unterstütze die kantonale Energiegesetz-Revision, verlange jedoch eine verbindliche soziale Abfederung und ambitioniertere Ziele. Hier die Medienmitteilung der SP Kanton Luzern.

Die SP Kanton Luzern begrüsst die vorgeschlagene zweite Etappe der Revision des kantonalen Energiegesetzes (KEnG). Die Vorlage des Regierungsrats geht in die richtige Richtung: Der konsequente Umbau hin zu einer fossilfreien Wärmeerzeugung und verbindliche Klimaziele sind dringend notwendig. Die SP unterstützt die Revision deshalb im Grundsatz. Sie stellt jedoch klare Forderungen, um die Energiewende sozial gerecht, ambitioniert und praxistauglich zu gestalten.

Die Energiewende darf nicht auf Kosten der Mietenden gehen. Wir wollen Klimaschutz mit sozialer Gerechtigkeit verbinden – und nicht gegeneinander ausspielen“, sagt Marc Horat, Kantonsrat und Mitglied der Kommission für Raumplanung, Umwelt und Energie (RUEK).

Soziale Verträglichkeit als Kernforderung

Energetische Sanierungen und Heizungsersatzmassnahmen dürfen nicht zu Mietzinserhöhungen oder Verdrängung führen. Fördermittel sollen deshalb an Mietzinsneutralität gekoppelt werden, insbesondere bei preisgünstigem Wohnraum. Zudem fordert die SP eine gezielte Unterstützung von Eigentümer:innen mit tiefer Finanzkraft sowie von gemeinnützigen Bauträgern.

Kanton soll bis 2040 klimaneutral sein

Die SP fordert, dass der Kanton Luzern als Verwaltungseinheit bis spätestens 2040 klimaneutral arbeitet – und dass diese Vorbildpflicht auch für ausgelagerte Betriebe wie das Luzerner Kantonsspital (LUKS) oder die Luzerner Kantonalbank (LUKB) gilt. Der Klimaschutz muss in der öffentlichen Verwaltung und den ausgelagerten Betrieben konsequent vorgelebt werden.

Wenn der Kanton glaubwürdig sein  will, muss er selbst vorangehen. Klimaneutralität bis 2040, auch für die ausgelagerten Betriebe, ist realistisch und notwendig“, so Horat.

Die SP verlangt in ihrer Vernehmlassungsantwort verbindliche kantonale Ziele zur Erhöhung der Sanierungsquote von Heizsystemen und Wärmedämmung sowie zur Senkung des Energieverbrauchs. Neben den betrieblichen Emissionen müssen künftig auch graue Energie und graue Treibhausgasemissionen berücksichtigt werden.

Förderung und Monitoring

Um die Energiewende sozial abzufedern, sollen Zuschüsse und zinslose Darlehen für einkommensschwache Eigentümer:innen und gemeinnützige Bauträger ausgebaut werden. Ein degressives Fördermodell soll zusätzliche Anreize für rasches Handeln schaffen.Zudem fordert die SP einen jährlichen Treibhausgas-Budgetbericht zur Überprüfung der Zielerreichung entlang des 1.5-Grad-Pfads sowie eine Berichtspflicht über Mietpreisentwicklungen nach Sanierungen.

Praxisnahe Umsetzung und Innovation

Für eine wirksame, aber faire Umsetzung braucht es:

  • Investitionssicherheit für Wärmeverbunde, mit klaren und stabilen Rahmenbedingungen.
  • Nutzung von PV-Überschussstrom für Wärmespeicherung und Förderung lokaler Speicherlösungen in ZEVs und LEGs.
  • Anreize für frühzeitigen Heizungsersatz, beispielsweise über degressive Fördermodelle.
  • Ausbau der kantonalen Beratungsangebote für Eigentümer:innen und Gemeinden.

Zusätzliche Forderungen: Solarstrom, Speicher, klimaneutrales Heizen im Freien

Neben den eigentlichen Revisionsinhalten schlägt die SP zwei Ergänzungen vor:

  • Elektrizitätswerke sollen Solarstrom vollständig abnehmen und bei Bedarf zusätzliche Kapazitäten oder Speicher aufbauen müssen.
  • Heizungen im Freien sollen nur mit erneuerbarer Energie und effizienter Technik betrieben werden dürfen.

Diese Massnahmen beschleunigen den Ausbau erneuerbarer Energien, verbessern die Netzstabilität und verhindern unnötige Energieverluste.

Die SP Kanton Luzern unterstützt die Energiegesetz-Revision klar, fordert aber verbindliche soziale und ökologische Ergänzungen.

Klimaschutz funktioniert nur, wenn er gerecht ist – ökologisch, wirtschaftlich und sozial“, fasst Marc Horat zusammen.

Mit dieser Haltung will die SP sicherstellen, dass die Luzerner Energiewende gemeinsam, wirksam und fair gelingt.

Ein Boden-Phosphat-Monitoring zum Schutz der Mittelland-Seen ist dringend notwendig

Die Luzerner Mittelland-Seen stehen seit Jahrzehnten unter Dauerstress. Der ökologische Zustand von Baldegger-, Sempacher- und Hallwilersee ist seit den 1970er-Jahren ein Dauerthema – Symbol für das Versagen einer Agrarpolitik, die zu lange auf Wachstum statt auf Nachhaltigkeit gesetzt hat. Noch immer drohen die Seen zu kippen. Und noch immer kostet ihre künstliche Rettung – in Form von millionenteuren Belüftungsanlagen – die Öffentlichkeit jedes Jahr viel Geld. Die Ursachen der Belastung müssen wieder systematisch an der Quelle gemessen werden – im Boden. Hier die Medienmitteilung der SP Kanton Luzern:

Der Kantonsrat Marc Horat (SP) hat in der laufenden Session ein Postulat eingereicht, das den Regierungsrat auffordert, gemeinsam mit wissenschaftlichen Partner:innen wie beispielsweise der ETH Zürich ein Monitoring-System für den Phosphatgehalt in Böden rund um die Mittelland-Seen aufzubauen. „Seit Jahrzehnten beobachten wir die Symptome in den Seen. Doch wie sich die Phosphatbelastung im Boden entwickelt, also an der eigentlichen Quelle, wissen wir schlicht nicht, weil die systematische Überwachung dieser Werte vor Jahren eingestellt wurde“, sagt Horat. Dabei sind diese Informationen zentral, um die Wirkung von laufenden Massnahmenpaketen, Agrarprogrammen oder Düngeregeln überhaupt bewerten zu können.

Teure Symptom- statt Ursachenbekämpfung

Heute basiert das kantonale Phosphorprojekt auf gezielten Fördermassnahmen für Landwirt:innen. Diese sind sinnvoll – doch ihre Wirksamkeit lässt sich kaum nachweisen, solange keine bodennahe Datengrundlage existiert. „Es ist ein Blindflug. Wir geben viel Geld aus, wissen aber nicht, ob sich die Situation lokal im Boden verbessert. Das ist ein unhaltbarer Zustand“, betont Horat. Dabei liegt eine Lösung auf der Hand: Ein Wiederaufnehmen des systematischen Bodenmonitorings, das den Verlauf des Phosphatgehalts über Jahre dokumentiert, würde Transparenz schaffen und die langfristige Wirksamkeit von Massnahmen beurteilbar machen.

Ein entsprechender wissenschaftlicher Bericht im Rahmen des Luzerner Phosphorprojekts kommt zum gleichen Schluss: Es fehlen aktuelle belastbare Daten zu den Phosphorvorräten in Böden – obwohl gerade diese entscheidend für den Eintrag in Seen und Flüsse sind.

Seen schützen heisst Verantwortung übernehmen

Die SP fordert, dass der Kanton Luzern Verantwortung übernimmt – für das ökologische Erbe, für die Lebensqualität der Bevölkerung und für die Zukunft der nächsten Generationen. „Es kann nicht sein, dass wir jedes Jahr Millionen in technische Notlösungen investieren, aber gleichzeitig keinen Überblick darüber haben, ob wirklich nachhaltiger gewirtschaftet wird“, so Horat. Es braucht klare Rahmenbedingungen und Unterstützung – aber auch Kontrolle.

Die sozialdemokratische Fraktion ist überzeugt: Der Schutz unserer Seen gelingt nur, wenn wir die Ursachen der Belastung konsequent anpacken. Dazu gehört, dass wir wissen, was in unseren Böden geschieht. Die Zeit der halben Lösungen ist vorbei.

Votum über eine Weiterentwicklung des Energieförderprogramms

Mein Votum zu P 288 – Postulat Kurmann Michael und Mit. über eine Weiterentwicklung des Energieförderprogramms (am 24. März 2025 im Kantonsrat behandelt und als erheblich überwiesen)

Gefühlt brennt es momentan überall auf der Welt – die Grundlagen der Demokratie, der Gleichberechtigung und der Rechtsstaatlichkeit sind so bedroht wie schon lange nicht mehr. Es kommt mir ein wenig vor wie in diesen Marvel-Superheldenfilmen: Nach unzähligen Kämpfen, die unsere Protagonist:innen bereits ausgefochten haben, tritt nach gefühlt 25 Filmen der eigentliche Endgegner auf die Bühne – jener, der im Hintergrund schon lange die Fäden gezogen hat. Und unsere Held:innen müssen sich zwangsläufig erneut dieser Bedrohung stellen.

Earth on our Hands, Cristian Ibarra Santillan
Bild: Cristian Ibarra Santillan

In unserem Fall heisst dieser Endgegner Klimawandel, und bis jetzt sind erst ein oder zwei „Filme“ in dieser Reihe erschienen. Ich bin froh, dass wir heute nach der Earth Hour vom letzten Samstag die Gelegenheit haben, dieses Thema auf den Tisch zu bringen und uns daran zu erinnern, dass es nicht einfach verschwindet, nur weil wir nicht darüber reden oder nichts davon hören. Im Hintergrund bricht unser Planet Jahr für Jahr neue Temperaturrekorde – mit den entsprechenden Konsequenzen.

Doch nun zum Thema: Zu Recht fordert das Postulat Antworten darauf, wie sich das aktuelle Budget-Chaos in Bundesbern – man kann es wirklich nicht anders nennen – auf die laufenden Massnahmenpakete zur Energieförderung bei Gebäuden auswirkt. Diese sind ein wichtiger Pfeiler, um das beschlossene Ziel von Netto-Null bis 2050 realistisch erreichen zu können. Es freut mich, dass die Regierung in ihrer Antwort die Bedeutung dieser Massnahmen betont und sich klar zu den bereits laufenden Programmen sowie zu deren Weiterentwicklung bekennt.

In diesem Sinne unterstützen wir von der SP die Erklärung zur Erheblicherklärung des Postulats.

Das Einzige, was mich ehrlich gesagt stört, ist die Feststellung in der Antwort, dass voraussichtlich nicht alle ausbleibenden Bundesmittel kompensiert werden können. Das dürfte wohl auch für andere vom Bund finanzierte Massnahmen gelten – was effektiv eine Kürzung dieser Mittel bedeutet. Angesichts der Brisanz des übergeordneten Themas – es geht hier schliesslich um das langfristige Überleben unserer Zivilisation – ist diese Feststellung viel zu bequem und zu wenig ambitioniert.

Wie wäre es, wenn wir über den Tellerrand hinausschauen und beispielsweise unerwartet hohe Steuereinnahmen oder ausserordentliche Ausschüttungen der Nationalbank konsequent in unsere langfristige Zukunft investieren, statt kurzfristig mit Steuersenkungen die finanziellen Möglichkeiten des Kantons im Kampf gegen unseren gemeinsamen grossen Endgegner zu beschneiden? Das muss es uns doch wert sein! Damit zum Beispiel auch unsere Bäuerinnen und Bauern, liebe SVP, in 10, 20, 30 oder 100 Jahren noch eine Perspektive haben.

Übrigens lässt es sich auch wirtschaftlich nicht besonders gut arbeiten, wenn die Grundfesten unserer modernen Zivilisation erschüttert sind und unser Planet lichterloh brennt.

In diesem Sinne – besten Dank.

Eine Welt im Umbruch – und nicht zum Guten

Was wir derzeit in den USA erleben, ist mehr als eine politische Krise – es ist die schleichende Transformation einer Demokratie in ein autoritäres System. Die bewährten Checks & Balances werden umgangen, Entscheidungsprozesse erscheinen chaotisch, doch hinter diesem Nebel verschwinden gezielte Massnahmen, die den Staat systematisch aushöhlen. Die Weltordnung, wie wir sie kannten, gehört der Vergangenheit an. Kräfte, die längst überwunden schienen, sind wieder allgegenwärtig.

Europa in der Zange der Grossmächte

Europa und Kanada rücken angesichts dieser Entwicklungen enger zusammen – doch möglicherweise zu spät, um den imperialistischen Machtgelüsten Russlands, der USA und Chinas wirksam entgegenzutreten. Der Wegfall der USA als Schutzmacht für die westliche Welt lässt nichts Gutes erahnen, insbesondere für die Ukraine. Sollte der Widerstand gegen die völkerrechtswidrige russische Invasion kollabieren, würde dies eine tiefe Zäsur für Europa bedeuten – mit weitreichenden Konsequenzen. Instabilität und Unsicherheit drohen, und erfahrungsgemäss profitieren in solchen Zeiten genau jene Kräfte, die diese Krise mitverschuldet haben. Erste Anzeichen dafür sehen wir bereits.

Der Klimawandel als Brandbeschleuniger

Doch als wäre all das nicht genug, steht uns eine noch weit grössere Herausforderung bevor: der Klimawandel. Seine Auswirkungen werden das Leben auf diesem Planeten radikal verändern. Nie dagewesene Flüchtlingsbewegungen werden entstehen, weil ganze Regionen unbewohnbar werden. Und anstatt globale Zusammenarbeit zu fördern, wird diese Entwicklung nationalistischen Strömungen weiteren Auftrieb verleihen – genau das Gegenteil dessen, was nötig wäre, um dieser gewaltigen Herausforderung zu begegnen.

Vielleicht sehe ich zu schwarz. Doch so pessimistisch wie jetzt war ich noch nie.

Слава Україні!