Planungsbericht Klima und Energie 2026: Gute Grundlage – jetzt braucht es Verbindlichkeit

Mit dem aktualisierten Planungsbericht Klima und Energie 2026 legt der Regierungsrat die strategische Ausrichtung der Luzerner Klima- und Energiepolitik für die Jahre 2027 bis 2031 vor. Der Bericht zeigt auf, wie der Kanton seine Klimaziele erreichen, die Energieversorgung weiterentwickeln und sich besser an die bereits spürbaren Folgen des Klimawandels anpassen will. Gegenüber dem Planungsbericht 2022–2026 wurden verschiedene Bereiche weiterentwickelt und aktualisiert. Das ist grundsätzlich zu begrüssen. Entscheidend wird nun aber sein, dass den richtigen Worten auch konkrete Taten folgen.

Wichtige Veränderungen des Schweizer Klimas basierend auf Beobachtungsdaten. Quelle: BAFU/MeteoSchweiz (2020), aufdatiert und angepasst

Die Vernehmlassung hat Wirkung gezeigt

Die SP Kanton Luzern hat den Planungsbericht in der Vernehmlassung grundsätzlich unterstützt, gleichzeitig aber zahlreiche Verbesserungen vorgeschlagen. Erfreulich ist, dass der Regierungsrat verschiedene Anliegen aufgenommen hat.

So berücksichtigt der definitive Bericht die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und aktualisierten Klimaszenarien für die Schweiz deutlich stärker als der Entwurf. Er beschreibt klar, dass sich die Schweiz überdurchschnittlich stark erwärmt und Extremereignisse wie Hitzewellen, Trockenperioden und Starkniederschläge häufiger und intensiver werden. Auch die Bedeutung der Klimaanpassung wurde im Bericht gestärkt. Damit trägt der Regierungsrat den Entwicklungen Rechnung, welche der Weltklimarat (IPCC) in seinem sechsten Sachstandsbericht eindrücklich aufgezeigt hat.

Positiv ist ebenfalls, dass der Bericht den Handlungsbedarf in den Bereichen Verkehr und Landwirtschaft deutlicher benennt. Beide Sektoren gehören zu den grössten Emittenten im Kanton Luzern und liegen heute nicht auf Zielkurs. Dass diese Herausforderungen nun klarer benannt werden, schafft die notwendige Transparenz.

Auch die stärkere Verankerung von Klimafragen in kantonalen Planungs- und Entscheidungsprozessen sowie das neue Handlungsfeld «Prozesse und Finanzen» sind sinnvolle Ergänzungen. Sie zeigen, dass Klimapolitik zunehmend als Querschnittsaufgabe verstanden wird.

Gute Ziele allein reichen nicht

Trotz dieser Verbesserungen bleibt der Planungsbericht aus meiner Sicht in einem entscheidenden Punkt hinter seinen eigenen Ansprüchen zurück: Es fehlt weiterhin an ausreichender Verbindlichkeit.

Der Regierungsrat anerkennt zwar, dass insbesondere im Verkehr und in der Landwirtschaft zusätzliche Anstrengungen notwendig sind. Gleichzeitig verzichtet er jedoch auf verbindliche sektorale Zwischenziele und klar definierte Absenkpfade. Gerade weil einzelne Bereiche bereits heute hinter den Klimazielen zurückliegen, wären überprüfbare Etappenziele ein wichtiges Instrument, um rechtzeitig nachsteuern zu können.

Ebenso fehlt weiterhin ein Instrument, das den verbleibenden Emissionsspielraum transparent macht und die Zielerreichung über alle Sektoren hinweg nachvollziehbar steuert.

Finanzierung bleibt die Achillesferse

Noch grösser ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Umsetzung bei der Finanzierung.

Der Planungsbericht enthält zahlreiche sinnvolle Massnahmen – von der Förderung erneuerbarer Energien über die energetische Sanierung bis hin zur Anpassung an zunehmende Hitzebelastung. Gleichzeitig macht der Regierungsrat mehrfach deutlich, dass deren Umsetzung von den jeweils verfügbaren finanziellen und personellen Ressourcen abhängig ist.

Genau hier liegt das Problem. Der Kantonsrat hat im Rahmen der Budgetdebatte 2026 erhebliche Kürzungen beschlossen. Davon betroffen sind auch zusätzliche Personalstellen und Fördermittel im Klimabereich. Gerade diese Ressourcen wären jedoch notwendig, um die im Planungsbericht vorgesehenen Massnahmen überhaupt wirksam umzusetzen.

Ambitionierte Klimapolitik braucht deshalb nicht nur gute Strategien, sondern auch verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen und genügend Fachpersonal.

Klimapolitik muss sozial gerecht sein

Ein weiterer Punkt bleibt aus Sicht der SP unterbelichtet: die soziale Dimension der Klimapolitik.

Die ökologische Transformation wird nur dann breit getragen, wenn sie sozial gerecht ausgestaltet ist. Förderprogramme müssen so ausgestaltet werden, dass auch Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen von energetischen Sanierungen oder dem Umstieg auf erneuerbare Energien profitieren können. Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit gehören untrennbar zusammen.

Der nächste Schritt liegt beim Kantonsrat

Der Planungsbericht bildet eine solide Grundlage für die Luzerner Klima- und Energiepolitik der kommenden Jahre. Er zeigt deutlich, dass der Handlungsdruck weiter zunimmt und dass sowohl Klimaschutz als auch Klimaanpassung konsequent weiterentwickelt werden müssen.

Die Vernehmlassung hat gezeigt, dass konstruktive Rückmeldungen zu Verbesserungen führen können. Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen – insbesondere bei der Verbindlichkeit der Ziele und der Finanzierung ihrer Umsetzung. Der Kantonsrat wird nun die Gelegenheit haben, den Planungsbericht kritisch zu beraten und dafür zu sorgen, dass die ambitionierten Ziele nicht auf dem Papier stehen bleiben.

Denn eines ist klar: Der Klimawandel wartet nicht auf politische Budgetzyklen. Jede heute unterlassene Massnahme erhöht die Kosten und Risiken von morgen – für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermassen.

Schweizer Temperatur seit 1864. Jedes Jahr hat eine andere Farbe. In rot codierte Jahre sind wärmer, blaue kälter als der Durchschnitt der Jahre 1961-1990. Quelle: MeteoSchweiz